Faustball: die beinahe letzten Athleten ihrer Art in Passau

Geschrieben von Alois Ritzer. Veröffentlicht in Presseberichte

TSV Heining-Neustift ist eine der letzten „Faustball-Oasen“ der Region – Nachwuchsarbeit für die Zukunft essentiell

Von Philipp Knab

„Als ich noch in der Jugend gespielt habe, mussten wir schon wirklich hart kämpfen, um aus der Kreisliga herauszukommen, so viele Mannschaften gab es damals in unserer Gegend“, erinnert sich Abteilungsleiter Fritz Öhler an seine Zeit als junger Faustballer beim TSV Heining-Neustift. Damals beheimateten beispielsweise auch die DJK Passau-West, der VFB Grubweg oder die DJK Straßkirchen Faustballabteilungen, um nur die Vereine in direkter Umgebung der Stadt Passau zu nennen. Heute hat sich das Feld der Faustballclubs in der Region enorm gelichtet: „Neben uns bietet eigentlich nur noch der TV Passau Faustball an, allerdings wird dort im Grunde keine Nachwuchsarbeit mehr betrieben. Was das betrifft sind wir schon so etwas wie eine kleine Oase“, erklärt Fritz Öhler sichtlich stolz.

Athletik pur: Philipp Körpöly bei einer seiner Sprungangaben.

Der 46-jährige Zahntechniker ist bereits seit frühester Kindheit beim Verein und ist heute als Abteilungsleiter, Trainer und Spieler enger denn je mit der Faustballsparte des TSV verbunden. „Ich bin über meinen Taufpaten zum Faustball gekommen, da war ich gerade mal sieben Jahre alt. Dieser war Gründungsmitglied unseres Vereins und hat mir später auch die Aufgabe des Abteilungsleiters ,vermacht’“, so Fritz Öhler weiter. Unter-stützung erhält der gebürtige Pfarrkirchner von seiner Ehefrau Marianne, die ebenfalls seit ihrer frühesten Jugend leiden-schaftlich Faustball spielt. „Marianne trainiert mit mir zusammen unseren Nachwuchs und hilft mir vor allem dabei den ganzen Schreibkram zu erledigen, denn das würd’ ich alleine einfach nicht schaffen“, zeigt sich Ehemann Fritz dankbar.

Athletik pur: Philipp Körpöly bei einer seiner Sprungangaben.

Ex-Bundesligistin spielt heute im Herren-Team

Marianne Öhler selbst kam in den 90er Jahren vom TV Passau, nachdem dort das Damenteam aufgelöst wurde und gehörte in der Folge zur äußerst erfolgreichen Frauenmannschaft des TSV Heining-Neustift, die zeitweilig sogar in der zweiten Faustball-Bundesliga aufschlug: „Das ist aber schon ganz schön lange her. Mindestens zehn Jahre wenn ich mich recht erinnere“, lacht die 42-jährige, die heute gemeinsam mit ihrem Ehemann in der zweiten Herrenmannschaft aktiv ist.

Marianne Öhler in Aktion: früher spielte sie in der 2. Bundesliga.

Das ist beim Faustball bis rauf zur Landesliga erlaubt und Marianne Öhler ist auch nicht die einzige Dame im Herrenteam. „Wir fühlen uns recht wohl bei den Männern. Mit unserer zweiten Mannschaft spielen wir in der Bezirksliga und da können wir schon noch gut mithalten“, schmunzelt Verena Kapfer. Die 28-Jährige spielt bereits seit ihrem 16. Lebensjahr Faustball beim TSV und derzeit eben bei Herren II. Daneben nehmen für den TSV Heining-Neustift aktuell auch noch die sogenannten Minis (ab sechs Jahren), Schüler und Schülerinnen (bis 14 Jahre), eine weibliche Jugendmannschaft (14 bis 18 Jahre) sowie natürlich die Herren I am Spielbetrieb teil. Letztere kämpfen in dieser Saison in der Landesliga Süd um den Klassenerhalt und müssen dabei unter anderem gegen die Teams aus Rosenheim, Augsburg, Waldkraiburg oder Erolzheim (bei Ulm) antreten. „Die Anfahrtswege sind teilweise schon richtig weit, nicht nur im Herrenbereich. Bei unseren kleinsten, den Minis, wurde vor einiger Zeit eine Südbayern- Liga eingeführt. Da kommt es vor, dass wir bis zu 300 Kilometer zu einem Spieltag fahren müssen“, so Fritz Öhler, für den die Jugendarbeit seit jeher einen essentiellen Erfolgsfaktor darstellt: „Ohne Nachwuchsarbeit stirbst du als Verein. Wir haben momentan einige Mannschaften im Spielbetrieb und können durchaus zufrieden sein, aber man kann nie sagen, wie es die nächsten Jahre weitergeht. Da muss man einfach immer dran bleiben“, weiß der passionierte Faustballer, den besonders die Dynamik und die Athletik dieser Sportart faszinieren.

Am letzten Spieltag den Klassenerhalt sichern Marianne Öhler in Aktion: früher
spielte sie in der 2. Bundesliga.

„Auch wenn es auf den ersten Blick leicht aussieht, Faustball ist eine enorm anspruchsvolle Sportart. Man braucht ständige Körperspannung, viel Ballgefühl und eine gute Fitness. Nach einem Spieltag, an dem stets mehrere Mannschaften beteiligt sind, tut dir am nächsten Tag jeder Muskel weh“, versichert Fritz Öhler. Ähnlich formuliert es Philipp Körpöly, der bei den Herren I in der Landesliga spielt: „Der Sport ist geprägt von jeder Menge Athletik, Taktik und einer tollen Mischung aus Abwehr- und Angriffsspiel“, so der 18-Jährige, der vorher Fußball gespielt hat. „Das hat mir irgendwann keinen Spaß mehr gemacht. Hier beim Faustball spiele ich zusammen mit fünf, sechs Jungs, die alle im selben Alter sind. Wir sind Freunde und verstehen uns auch außerhalb des Spielfelds super“, beschreibt Philipp Körpöly die tolle Atmosphäre innerhalb der jungen Truppe, die sich am letzten Spieltag übernächstes Wochenende doch noch den Klassenerhalt sichern will.

PAWO-Ausgabe vom 11.07.2012